Anabel berichtet über ihre Zeit als OTA am AMC

Vor kurzem haben wir uns mit Anabel, einer unserer Operationstechnischen Assistentinnen am Amsterdam UMC Standort Lehrkrankenhaus AMC, auf einen Kaffee getroffen, um uns mit ihr über ihre bisherige Zeit am AMC zu unterhalten. Im folgenden Interview berichtet sie unter anderem über ihre ersten Wochen im Uniklinikum, die Arbeitsatmosphäre, das Team, wie sie mit der niederländischen Sprache zurechtkommt und auch über ihr Leben in Amsterdam.

Wie war der erste Eindruck und die ersten Wochen für dich als OTA am AMC?

Alles war am Anfang so groß! Es gab sehr viele neue Eindrücke und alles war so unglaublich spannend. Ich habe direkt von Anfang an sehr viel Neues dazugelernt und viele neue Leute kennengelernt. Ich bin momentan in der Kardiologie eingesetzt, da wollte ich auch unbedingt hin, denn das kannte ich bis dahin noch nicht. Für manche Einsätze war ich auch schon im akuten Bereich eingesetzt, also für Notoperationen. Was auch interessant war, denn da kannte ich bereits alle Operationen, die wir durchgeführt haben. Man wurde auch sehr gut eingearbeitet. Dieses Gefühl „ins kalte Wasser“ geschmissen zu werden hatte ich überhaupt nicht. Ich habe am Anfang auch einen Kurs gemacht, der einen in das Computerprogramm einführt, mit dem wir arbeiten. Das hat sehr geholfen!

Erzähl mal, wie sieht ein typischer Arbeitstag am AMC als OTA aus?

Ich komme morgens ins Krankenhaus, dann ist um halb 8 erstmal Frühbesprechung. Das Gute ist, dass man am Abend vorher schon einsehen kann in welchen Operationssaal man eingeplant ist und welche Operationen für den kommenden Tag anstehen, somit kann ich mich immer gut vorbereiten. Wenn ich dann weiß, ich stehe für eine bestimmte Operation am Tisch, lese ich vorher das OP-Protokoll und stelle mich schon mal auf den Eingriff ein. Nach der Frühbesprechung gehe ich in den Saal, für den ich eingeteilt bin und treffe alle Vorbereitungen für die anstehende Operation.

Meine Schicht geht insgesamt 9 Stunden. Seit ich beim AMC arbeite, bin ich nur für die Tagschichten eingeteilt. Es gibt auch Zwischenschichten und Abendschichten. Im Moment werde ich noch eingearbeitet, deswegen muss ich auch keine Bereitschaftsdienste oder ähnliches übernehmen aber an sich würde mir das auch nichts ausmachen, da man vor Ort bleibt. Man wird also nicht von zu Hause rausgeklingelt, sondern bleibt im Krankenhaus, dass man im Notfall direkt einspringen kann.

Meistens sind zwei Operationen pro Tag eingeplant, da Herz-OPs im Regelfall schon sehr lange dauern. Zwischendrin werde ich je nachdem, ob ich am Tisch stehe oder nicht z.B für Kaffeepausen abgelöst. Normalerweise ist es so eingeteilt, dass ich bei einer OP am Tisch stehe und für die anderen Springer-Tätigkeiten übernehme.
Kurz vor 5  werde ich dann abgelöst, falls die Operation bis dahin noch nicht beendet sein sollte, was in der Kardiologie öfters vorkommt. Sollten viele OPs gleichzeitig laufen kann es auch manchmal sein, dass man noch ein bisschen länger bleiben muss. Das war aber bis jetzt bei mir noch nie der Fall, da eigentlich immer genug Leute da sind.

Wo siehst du die Vorteile an einem großen, renommierten Uniklinikum zu arbeiten?

In meinen Augen gibt es sehr viele Vorteile! Die Apparaturen und Geräte im OP sind alle auf dem allerneusten Stand der Technik. Zum Beispiel gibt es in bestimmten Abteilungen Operationsroboter-Arme mit denen operiert wird. Zudem ist alles unfassbar gut organisiert. Wenn man z.B. eine OP mit Knochenschäden hat, kommt ein extra dafür eingesetztes Team, was dann nur fürs Röntgen zuständig ist. Ich kenne das ganz anders aus meinem früheren Krankenhaus, da mussten wir selber mit dem riesigen Röntgengerät den Patienten röntgen.
Man bekommt auch immer pünktlich die eingeteilten Pausen, also Mittagspause und auch Kaffeepause zum Beispiel. Das kannte ich so bis jetzt noch gar nicht. Bei meinem früheren Haus war das so, dass man gar keine Ablöse hatte und zwischendurch vielleicht mal kurz einen Schluck Wasser trinken konnte und danach gings direkt weiter. Das hat mich überrascht, wie gut das hier alles organisiert und geregelt ist! Was mich auch überrascht hat ist, dass man hier sehr viel auch mit dem Handy macht, das war in meinem alten Haus gar nicht gerne gesehen. Hier kann man sich auch mal was abfotografieren oder ins Handy schreiben, dass man auch mal auf etwas zurückgreifen kann wenn man es vergisst, oder sich wichtige Fachbegriffe aufschreiben.

Was gefällt dir an deiner Arbeit am besten?

Ich persönlich liebe es zu instrumentieren, also am Tisch zu stehen zusammen mit dem oder der Chirurgen/in. Wenn man den Ablauf der OP kennt, kann man alles heranreichen, ohne dass er oder sie etwas sagen muss – das ist einfach das beste Gefühl, wenn das OP-Team so gut funktioniert und zusammenspielt. Das ist für mich das, was mir am meisten Spaß macht an diesem Beruf.

Fühlst du dich als Teil des Teams?

Das komplette OP-Team ist sehr groß, das ist hier ja auch eine große Klinik! Wir sind in drei „Units“ (Einheiten) eingeteilt mit verschiedenen Abteilungen. Und die Abteilungen untereinander arbeiten schon eng zusammen. Zum Beispiel ist im Februar ein gemeinsames Essen geplant mit unserer Abteilung. Da gehe ich natürlich mit. In den Pausen sitzen wir alle zusammen, also alle Units und alle Abteilungen, da lernt man sich ja auch täglich besser kennen. Ich verstehe mich richtig gut mit Birte, der anderen Operationstechnische Assistentin aus Deutschland am AMC. Wir unternehmen auch mal etwas gemeinsam nach der Arbeit. Alles in allem fühle ich mich unter meinen Kollegen richtig wohl! Seit mehreren Wochen arbeite ich hauptsächlich mit einer Kollegin im Team, die mir bei manchen Situationen Hilfestellungen gibt und auch meine Fortschritte sieht und mir Feedback geben kann. Das motiviert einen richtig!

Wie ist die Arbeitsatmosphäre am AMC?

Es kommt natürlich immer auf die Menschen an, mit denen man eingeteilt ist. Es gibt solche und solche in jedem Krankenhaus. Manchmal arbeitet man in einem mehr introvertierten Team, manchmal mit Stimmungskanonen. Insgesamt hält das Team aber doch sehr eng zusammen und versteht sich total gut, dadurch dass man eben in die Units eingeteilt ist und auch mit den selben Ärzten zusammenarbeitet, so wie ich das auch aus kleineren Kliniken kenne. Aber ich bin ja jetzt noch kein Jahr da, je länger man dabei ist, desto besser kennt man sich ja auch untereinander. Auch die Ärzte sind wirklich super nett! Es ist ein sehr respektvoller Umgang miteinander, auch wenn es mal stressig wird und man alle Hände voll zu tun hat.

Wie findest du die Work-Life-Balance am AMC? Findest du, dass du genug Freizeit hast?

Im Moment arbeite ich mit einem Tag reduziert, weil ich anfangs freiwillig einen Tag mehr gearbeitet habe die Woche. Normalerweise hat jeder Angestellte im OP-Trakt eine 4-Tages Woche, dadurch dass man 9 Stunden Schichten hat. Dadurch habe ich jetzt, bis ich die Stunden abgebaut habe, eine 3-Tages Woche.  Aber auch wenn ich die angesammelten Stunden abgebaut habe und wieder 4 Tage arbeiten werde – für mich ist das das Beste überhaupt! Dieser eine Tag gibt einem so viel, man kann sich ausruhen, Zeit mit Freunden verbringen, Amsterdam erkunden…

Was war dein schönstes/außergewöhnlichstes Erlebnis seitdem du hier arbeitest?

Das erste Mal bei einer OP am offenen Herzen dabei zu sein, das war schon ein ganz besonderes Gefühl. So ein Herz schlagen zu sehen ist wirklich eindrucksvoll und bei so einer OP auch noch am Tisch zu stehen, das war der Wahnsinn. Ich habe mich von Anfang an für die Kardiologie interessiert und obwohl ich noch keine Erfahrungen in der Kardiologie gesammelt habe, wurde mir die Möglichkeit gegeben dort zu arbeiten. Das hat mich riesig gefreut!

Gab es auch ein Erlebnis, das nicht so toll war?

Eingriffe in der Kardiologie sind immer große und auch gefährliche Operationen. Mir ist bewusst, dass sich bei solchen Eingriffen die Situation sehr schnell ändern und auch etwas schiefgehen kann. Das Herz ist so ein empfindliches Organ, manchmal benötigt es Nähte, die so dünn sind, dass man sie mit bloßem Auge kaum erkennen kann. Und wenn mal eine Naht auch bei mehreren Versuchen nicht hält, ist die Atmosphäre schon sehr angespannt! Bei den Operationen, bei denen ich instrumentieren durfte ist bis jetzt, Gott sei Dank, trotz kleinerer Komplikationen alles gut gegangen.

Wie lange hast du gebraucht um die Niederländische Sprache auf B1 Niveau zu beherrschen?

Bevor ich meine OTA-Ausbildung gemacht habe, habe ich bereits den Niederländisch Sprachkurs gemacht. Dieser ging 3 Wochen. Danach konnte ich mich schon gut verständigen und ich haben daraufhin direkt das Sprachexamen gemacht. Aber richtig gut wurde es eigentlich erst, als ich angefangen habe am AMC zu arbeiten. Da hat man gar keine Wahl – man muss Niederländisch sprechen aber man lernt diese Sprache dadurch auch so schnell! Klar gibt es auch mal Wörter, die ich nicht verstehe, aber die schreibe ich mir dann auf und kann sie mir so merken. Auch wenn ich einen Bericht schreiben muss und mir ein bestimmtes Wort nicht einfällt, dann gebe ich das schnell in mein Handy Wörterbuch ein oder frage eine Kollegin oder Kollegen und dann ist das kein Problem. Klar muss man sich verständigen und im OP wird auch Niederländisch gesprochen – aber in der Not spricht auch jeder Englisch und viele auch Deutsch! Also wenn ich auch mal nicht weiter weiß, kann ich es immer auf Englisch oder Deutsch sagen und es versteht mich immer jemand.

Du wohnst jetzt schon seit längerem in Amsterdam, wie ist es so in einer beliebten Großstadt zu wohnen?

Also ich wohne jetzt seit Oktober 2017 in Amsterdam und konnte schon viel erkunden. Ich fand Amsterdam schon immer eine wunderschöne Stadt, deswegen hat es mich schon immer hier her gezogen. Das Schöne an dieser Stadt ist, dass es auf der einen Seite eine Großstadt ist mit allen Vorzügen, aber trotzdem eine sehr gemütliche Atmosphäre herrscht. Wenn man durch die Stadt geht hat man nicht so dieses „Großstadtfeeling“. Manchmal finde ich z.B. über Instagram neue Cafés, Bars oder Restaurants wo ich mir denke, die muss ich direkt ausprobieren! Und es gibt jeden Tag Neues zu entdecken. Das öffentliche Verkehrsnetz ist super ausgebaut, es gibt eigentlich keinen Ort, wo man nicht bequem mit Zug, Metro, Tram, Bus, Uber oder vor allem mit dem Fahrrad hinkommt. Von einem Auto in der Innenstadt würde ich allerdings sehr abraten!

Hast du noch Tipps für zukünftige Kandidaten, die am AMC starten?

Ich würde empfehlen am Anfang in eine Abteilung einzusteigen, in der man eventuell schon gearbeitet hat, dann fällt die Eingewöhnung deutlich leichter. Um dann zu schauen, was man schon kann und was man noch dazu lernen möchte auf diesem Gebiet. Und am Anfang auch nicht schüchtern sein, sondern versuchen zu zeigen, was man schon gelernt hat. Da sieht das Team oder der zugeteilte Betreuer am Anfang direkt wo man steht und kann einem so am besten weiterhelfen und eben darauf aufbauen. Man sollte einfach versuchen offen zu sein und auch in privaten Gesprächen ein bisschen was über sich zu erzählen, um auch da die Sprache zu lernen und das Team kennenzulernen. Und auch nicht schüchtern sein! Sich ruhig auch trauen drei-, viermal nachzufragen wenn man sich einen Namen oder so nicht merken kann – da ist auch wirklich keiner böse. Das Team und auch das Klinikum ist groß und da dauert es einfach ein bisschen, bis man sich zurechtfindet und das versteht auch jeder.

Würdest du die Arbeit am AMC auch anderen deutschen OTAs empfehlen?

Ja auf jeden Fall! Man lernt enorm viel, alle Kollegen sind hier so offen, alles ist auf dem neusten Stand der Technik, man führt seltene und auch neue Operationen durch und alles ist sehr gut strukturiert und organisiert! Und einfach die Chance zu haben, Erfahrungen in einem universitären Ausbildungskrankenhaus zu sammeln und dort zu arbeiten, zu sehen wie es in einer internationalen Spitzenklinik abläuft – das bringt einem persönlich auch unglaublich viel und öffnet auch in Zukunft viele Türen.

 

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Anabel, dass sie an ihrem freien Tag dieses Interview mit uns geführt hat! Wir wünschen ihr auch weiterhin viel Erfolg bei ihrer Arbeit am AMC!

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Merve Yilmaz

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